Interaktive Infografiken

Weblog zur Lehrveranstaltung | Sommersemester 2013 | HdM Stuttgart

Benchmarking | Existente Infografiken zum Thema

von Stefan am 22. April 2013, keine Kommentare

Es folgen einige Netzfundstücke – verschiendene Infografiken zum Thema »Seltene Erden« – die wir einer kurzen Evaluation unterzogen haben:



Quelle: Mother Nature Network | What are rare earth metals?

Die erste und einzig wirklich interaktive Infografik zum Thema ist in Produktpalette, eine Kartendarstellung von Reserven und Produktion sowie ein Säulendiagramm zur branchenspezifischen Bedarfsentwicklung der US-Industrie unterteilt. Diese Aufteilung lässt keine bestimmte Fragestellung erkennen, mit der sich die Grafik beschäftigt. Die Fakten scheinen vielmehr wahllos aneinandergereiht.

Die Produkte pulsieren stetig vor sich hin, was schon nach kurzer Zeit störend wirkt. Zusatzinformationen werden hier per Mouseover geliefert. Die Aufzählungen helfen dem Nutzer jedoch nur bedingt weiter. Beispielsweise ist das Element Yttrium als Bestandteil von Automobil und Laptop genannt ohne auch nur ein weiteres Wort über den Verwendungskontext zu verlieren.

Die Kartendarstellung von Reserven und Produktion bedient sich ebenfalls des Mouseover-Events, wobei hier absolute Zahlen und prozentuale Import-Anteile der Vereinigten Staaten im Angebot sind. Die Auswahl der Kreiskonturen zur Darstellung der Mengenverhältnisse ist äußerst ungünstig. Eine Gegenüberstellung der Mengen ist quasi unmöglich, da sich die Größe besonders weiter voneinander entfernter Kreise kaum vergleichen lässt. Kleine Kreiskonturen erscheinen als Punkte und verlieren damit gänzlich ihre Aussagekraft (vgl. 2010 Mine Production sämtlicher gekennzeichneter Länder).

Im dritten Menüpunkt wird über die jährliche Im- und Exportentwicklung in den USA informiert. Dabei ist unschlüssig, ob die genannten Zahlen auf reine SEE-Oxide oder gefertigte Produkte beziehen.
Über einen Slider können die Jahe 2005-2009 ausgewählt werden. Gravierende Änderungen sind einzig zwischen 2008 und 2009 wahrzunehmen. Einen Grund, warum die Exportzahlen variieren, kann man den verschiedenen Seltenerdprodukten und Branchen nicht zuordnen. Ein kleiner Erklärtext in der unteren rechten Ecke muss Abhilfe schaffen.



Quelle: c|net – THE PERIODIC TABLE OF iPHONES

Hinter dem Titel »The Periodic Table Of iPhones« verbirgt sich eine statische Infografik, deren visuelle Opulenz in keinem Zusammenhang zur inhaltlichen Aussagekraft steht. Die perspektivisch verwunderliche Hervorhebung der im Apple-Smartphone verbauten Elemente der Seltenen Erden hilft überlagert das zu Grunde liegende Periodensystem. Es fällt daher schwer, die einzelnen Symbole tatsächlich zuzuordnen.

Die Landfläche der Volksrepublik China, deren 90-prozentige Einfärbung die Monopolstellung des fernöstlichen Weltstaates signalisieren soll, ist ohne die Lektüre des zugehörigen Dreizeilers leicht misszuverstehen. Eine mögliche Interpretation wäre, dass China bislang 10% seiner Reserven gefördert hat.

Abgeschlossen wird die Grafik durch eine Vernetzung von chemischen Elementsymbolen und Smartphone-Modulen. Diese ist im Stile eines elektrischen Schaltplanes umgesetzt. Eine Farbcodierung soll Irrwege bei der Zuordnung verhindern. Es obliegt der Phantasie des Betrachters, wo er die genannten Bestandteile in seinem mobilen Begleiter verortet und was die SEE darin bewirken.



Quelle: End of the Line – When Will Our Natural Resources Run Out?

Das vergleichsweise schlichte Balkendiagramm »End of the Line« stellt einen Vergleich zwischen verschiedenen endlichen Rohstoffquellen an. Es zeigt sich schon auf den ersten Blick, dass einige der für Hightech- und Rüstungsindustrie relevanten Metalle deutlich kritischer zu betrachten sind als beispielsweise fossile Energieträger.



Quelle: Super Magnets: All About Rare Earth Metals [infographic]

»All About Rare Earth Metals« möchte uns dieser statische Infografik-Banner erzählen. Das Periodensystem zum Einstieg ist übersichtlich, erlaubt eine erste Vorsortierung der 17 Elemente.
Bei der Darstellung der Produktion begeht man den gleichen Fehler wie bereits in der interaktiven Variante gesehen. Auch Kreisflächen lassen sich schwer vergleichen. Die Überschneidungen suggerieren einen nicht vorhandenen Zusammenhang oder eine ebenso wenig gegebene gegenseitige Beeinflussung der Produzenten.

Die Diskrepanz zwischen Bedarf und Versorgung versucht Säulendiagramm zu erläutern. Die Zweiteilung zwischen chinesischem Produzenten und Hauptverbraucher (rot) und dem Rest der Welt (blau) ist logisch, aber nicht wirklich intuitiv erkennbar. Ohne Legende wäre dieser Zusammenhang kaum herzustellen. Interessante Events, wie der Einbruch im Jahr 2009 bleiben unkommentiert.

Interessant ist die Anordnung der Gegenstände, die Seltenen Erden verbrauchen. Die mit Piktogrammen versehenen Kreise brechen die Symmetrie auf, wirken belebend. Ähnlich wirkt sich beim Vergleich der Preisentwicklung einzelner SEE-Produkte der Ausreißer Dysprosium aus, der die Höhe der übrigen Säulen etwa um das Dreifache übersteigt.

Semantisch fragwürdig ist die Darstellung der chinesischen Exportbeschränkungen. Ein über Land platziertes Schiffs-Symbol mit einem nach unten gerichteten Pfeil, der eher auf einen Untergang desselbigen hindeutet, lässt hier einen großen Interpretationsspielraum offen.



Quelle: Rare Earth Elements Infographic Shows the Impact of Resource Depletion on Green Technology

»Rare Earth Elements are the key« behauptet diese statische Infografik. Die Fragestellungen werden in aufwändigen Illustrationen verpackt. Hervorzuheben ist Bezug zur aktuellen Situation, die in Form eines knappen Zeitungsartikels wiedergegeben wird. Für die Einteilung der SEE-Produkte wurden fünf Kategorien gebildet und mit zahlreichen Beispielen belegt. Vergleichsgrößen sollen helfen die verbrauchten Mengen einzuordnen.

Auch die Problematik von Recycling und Wiederverwertung bleibt nicht unerwähnt. Ein Rückblick in die Historie von Förderländern sowie ein Ausblick auf neu explorierte Lagerstätten und die zeitraubende Entwicklung zukunftsfähiger Gewinnungsmethoden runden das stimmige Gesamtbild ab.



Quelle: Rare Earth Elements: The Technology Metals

Eine weitere äußerst umfangreiche Infografik der »DACHA Strategic Metals Inc.« beginnt ihre Erklärung am absoluten Nullpunkt und zeigt, dass Seltene Erden nur durch das Ableben eines Fixsterns in einer so genannten Supernova-Explosion gebildet werden können.

Der weitere didaktische Aufbau ähnelt wiederum stark den Vorgängern. Auf allgemeine Informationen zu chemischer Klassifikation folgen aufwändig bebilderte Produktbeispiele, wobei Schwerpunkte auf Lasergeräte, Displays und Dauermangete gelegt wurden.

Erwähnenswert ist die Integration der bekannten Reserven als (negatives) Säulendiagramm in eine Kartenansicht. Die zusätzliche eingepflegte Erklärung für die Migration westlicher Produzenten nach China überlädt das ganze dann jedoch mit Detailinformationen.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>